Hey, Attention‑Crash‑Tester—
Warst du schon mal in einem Meeting mit fuenf Prioritaeten? Glueckwunsch: Du hast null.
Marken brennen aus. Nicht wegen fehlender Ambition — sondern weil sie nicht still sitzen koennen. Ein Quartal Gen Z. Das naechste TikTok. Dann Sustainability. Jetzt AI. Und vergiss nicht NFTs, weil der Cousin von irgendwem mit einem pixeligen Lama Millionen gemacht hat.
Wir iterieren nicht. Wir zucken.
Und wie ein uebermuedeter Praktikant, der Slack, Zoom und einen Chef managt, der „SEID DISRUPTIVER“ schreit, leben Marken in einer ausgewachsenen Aufmerksamkeitskrise.
Das Ergebnis? Kunden spueren es. Teams ertrinken darin. Strategie stirbt.
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Die Epidemie des Corporate ADHD
Ich erzaehle dir eine Geschichte. Vor ein paar Jahren haben wir eine mittelgrosse Fashion‑Brand in Berlin beraten. Sie riefen an, weil sie sich neu positionieren wollten.
Klassiker.
Aber in Woche zwei wussten sie nicht, ob die Prioritaet Maenner‑Linie, Podcast, Roblox‑Activation oder komplett vegan sein sollte.
In einem Workshop fragte ich den CEO: „Was ist die eine Sache, fuer die Kunden zu euch kommen?“
Er pausierte. Schaute rum. Dann sagte er: „Aesthetics?“
Es war eine Frage.
So beginnt es immer: Fokusverlust, getarnt als Chance.
Ihr Instagram wurde zum Chaos halbgarer Kampagnen. Sie launchen eine Capsule, die niemand verstand. Am Ende driftete die loyale Base ab. Nicht wuetend — verwirrt. Nach 12 Monaten war der Umsatz -23%.
Das passiert, wenn Betriebsamkeit mit Fortschritt verwechselt wird. Wenn du alles jagst, verduennst du alles.
Die Illusion von Agilitaet
Corporate ADHD versteckt sich hinter Woertern wie „agile“ und „fast‑moving“. Aber echte Agilitaet bedeutet nicht, auf jeden Trend zu reagieren. Es bedeutet zu wissen, wann man es nicht tut.
Ein Deloitte‑Report 2023 zeigte, dass nur 17% der Marken, die post‑Covid „rapid pivot“-Strategien adaptierten, langfristig wuchsen. Der Rest stagnierte oder fiel zurueck. Warum? Weil der Pivot selten Strategie war — sondern Panik, die als Responsiveness verkleidet wurde.
Nimm CNN+. Erinnerst du dich? Streaming‑Service. Launch 2022. Tod 2022.
Warum? CNN wollte Netflix spielen, ohne die eigenen Mediengewohnheiten des Publikums zu verstehen. Sie hielten Content‑Boom fuer eine Lizenz zur Diversifikation, statt die simple Frage zu stellen: Wollen die Leute mehr CNN… oder besseres CNN?
Case Study: Oatlys fokussierte Weirdness
Dreh’s um: Oatly ist weird. Aber bewusst. Du kennst sie als „Hafermilch mit dem lauten Packaging“. Hinter dem Chaos steht harter Fokus.
Der Ton ist exzentrisch, aber konsistent. Die Botschaft — vom TV‑Spot bis zur Kartonseite — verstärkt immer dieselbe Identitaet: irreverent, plant‑based, anti‑corporate.
2020 hatten sie 70% Marktanteil in Schwedens Alt‑Milk‑Kategorie. Global wurden sie zum Symbol dafuer, wie man ueberall sein kann, ohne alles zu sein.
Selbst bei der Expansion nach Asien verduennten sie nicht. Gleiche Fonts. Gleicher Humor. Gleicher Aktivismus. Diese Kohärenz macht sie erkennbar — und vertrauenswuerdig. Du musst Hafermilch nicht lieben, um zu wissen, wofuer Oatly steht.
Das ist strategischer Fokus. Nicht Starrheit. Fokus mit Persoenlichkeit.
Nein sagen
2022 arbeitete ich mit einem Food‑Tech‑Startup — zwolf Leute, gutes Produkt, gute Energie. Sie hatten gerade eine ordentliche Seed‑Runde abgeschlossen und waren betrunken vor Potential. Beim Kickoff stuermte der Founder spaet rein, Handy am Ohr, und startete seinen Monolog:
„Wir wollen nach Deutschland expandieren, einen Pop‑up in London, Website relaunch, Head of Brand einstellen, Podcast starten, Metaverse experience — oh, und vielleicht was mit NFTs.“
Ich blinzelte, nippte an meinem lauwarmen Espresso und sagte: „Waehlt eins. Dann reden wir.“
Sie waren nicht amused. Sie pausierten das Projekt. Ich glaube, der CMO rollte sogar mit den Augen.
Drei Monate spaeter kam eine Mail: „Wir haetten hoeren sollen.“
Die Kampagnen waren gefloppt. Social war Geisterstadt. Devs bauten zwei halbfertige Landing Pages gleichzeitig. Alle waren erschoepft. Die Haelfte des Budgets verbrannt — Noise statt Klarheit.
Es war kognitiver Overload, getarnt als Ambition. Nein sagen war nicht Advice — es war der einzige strategische Gnadenakt.
Fokus ist nicht sexy. Aber das einzige, was skaliert.
Symptome von Corporate ADHD
- Du launchst fuenf Dinge und pflegst keins
- Dein Team ist muede, aber richtungslos
- Du bist auf jeder Plattform — aber ohne Strategie
- Quartalsziele wechseln monatlich
- Niemand kann deine Marken‑Story in einem Satz sagen
Eine PwC‑Umfrage 2024 zeigt, dass 64% der Marketing‑Leader „zu viele gleichzeitige Prioritaeten“ als groesste Herausforderung nennen.
Wie therapieren?
Hier die Checkliste. Haeng sie an die Wand:
- *Definiere, was du nicht tust* — Strategie ist Subtraktion.
- Auditiere deine Narrative jedes Quartal — erzählst du noch dieselbe Story?
- Baue weniger, aber schliesse ab — launch less, land more.
- Belohne Long‑Term‑KPIs — nicht nur Engagement‑Spikes.
- Mach „Nein“ zum Default — kill Ideen, bevor sie Projekte werden.
Ich lasse dich mit diesem Gedanken
Vor ein paar Jahren sass ich in einem dunklen Boardroom voller Post‑its. Die Wände schrien Potential, aber nichts blieb haften. Jeder Zettel war eine „Prioritaet“ — und damit keine. Der Founder sah mich gross an und fragte: „Also… worauf sollen wir all‑in gehen?“
Ich antwortete: „Welche Sache wuerde noch zaehlen, wenn TikTok morgen verschwindet?“
Stille.
Das ist der Klang von Fokus.
In einer Kultur, die Noise belohnt, ist Fokus Rebellion. Es bedeutet, dem Dopamin‑Kick staendiger Neuheit zu widerstehen. Es bedeutet, etwas langsam und konsistent zu bauen, bis es zaehlt. Und es bedeutet, langweilig lange genug zu bleiben, damit dein Publikum dir vertraut.
Denn Kunden gehen nicht, weil du langweilig bist. Sie gehen, weil du den Plot verloren hast.
Bis zum naechsten Mal, bleib geerdet.
Alex
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Wenn deine Marke sich von zu vielen Ideen und null Klarheit ueberrollt fuehlt, koennen wir helfen. Bei Kredo Marketing verwandeln wir Chaos in Strategie — und Ambition in Resultate. Sprich mit uns, bevor dein Publikum abwandert.
